Sunday, August 16, 2009

Warum ist die Musik der 80er besser gealtert als die der 90er..? *Update*

Die oft geschmähten Achtziger feiern ja dieser Tage überall ein Comeback. Während sich das Revival in der Regel auf ein Runterbeten der tausenmal gehörten Hits erschöpft (ich sage nur Ü30/Ü40-Parties und Retro-Sendungen auf RTL/Sat1...), stechen in diesem Zusammenhang zwei Formate positiv hervor: Erstens, die Themenreihe "Summer Of The 80s" auf Arte (auch wenn das 8-teilige Highlight aus unerfindlichen Gründen NICHT online in der Mediathek abrufbar ist!!!), und zweitens, die 80er Themensonntage auf RBB RadioEins.

Ich höre heute schon den ganzen Tag RadioEins und mir fällt gerade auf, dass die in den 80er Jahren entstandene Popmusik im Vergleich zu der des Folgejahrzehnts um einiges besser gealtert ist... Höre ich mir heute Popmusik der 90er an, wirkt das meiste doch schon arg belanglos oder stark angestaubt.

Warum ist das so?

Liegt es an der unglaublichen Bandbreite an Musikstilen die in den Achzigern noch den Weg in den Mainstream/die Charts fand (wir reden schliesslich von einer Zeit, in der von Manuel Göttschings "E2-E4" bis Kate Bushs "Cloudbusting" und Trevor Horns Bombastpop einfach alles ging) oder am damals noch allgemein hohen Niveau des Songwritings (gilt selbst für Boygroups wie Kajagoogoo und Bros)?

*Update (03.11.2009)*
Alle 8 Teile der Reihe "Welcome to the 80s" gibt es mittlerweile hier...

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4 Comments:

At 17 August, 2009 22:17, Blogger Patrick mit T. said...

Oha.
Aber auch klar. Der geneigte Elektronik-Hörer (die Neigung unterstelle ich dir mal frech) muss seine Ursprünge ja in den 80ern haben. Blühten da doch die ersten Pflanzen die heute zu anständigen Bäumen geworden sind. Da kann man aber sicher grundsätzlich noch weiter im Boden wühlen, nach Wurzeln: Pink Floyd, Kraftwerk oder auch einfach sonstige Keyboardklangflächenentwickler ausgraben. Die gab es vor 1980. Muss ich Dir ja auch gar nicht erklären.
Will nur meinen: Auch in diesem speziellen Segment jenseits schwitzender Gitarrenarbeiter und brillianter Stimmakrobaten gibt es ein Echo aus vorherigem.
Da haben die 80er meiner Meinung nach keine Sonderstellung gegenüber anderen Jahrzehnten, das wurde in jedem fleissig so betrieben. Kein prägendes Pop-Phänomen der 80er auf jeden Fall ohne Vorarbeit: Keine blitzgescheiten 3 Minuten ohne Jerry Lee Lewis, Temptations, The Clash. Und keine 15 Minuten tiefster elektronischer Trance ohne Krautrock, keine Spielereien ohne Brian Wilson, kein messerscharfer Hip-Hop ohne Marvin Gaye.
Die 80er haben die Musik nicht neu erfunden und auch schon fleissig von vorangegangenem profitiert. Und das wurde dann eben in die Gegenwart übersetzt. Ob nun als Zitat, Verfremdung oder bewusste Ablehnung. Und selbstverständlich wurde auch eigenes hinzugefügt, Musikgeschichte eben weitergeschrieben, mit unter anderem neuen Möglichkeiten.
Aber egal, darum geht es ja nur am Rande. Es geht ja ausdrücklich um Pop, um Mainstream, um Charts.
Zuallererst: Es geht um Alterungsprozesse, wie bei Wein. Fairerweise sollte man da den 90ern im Vergleich eigentlich einfach noch 10 Jahre gönnen. Da trennt sich Spreu vom Weizen sicher um einiges klarer. Wenn ich mir heute mal überlege wie die 80er vor zehn Jahren wahrgenommen wurden dann erinnere ich mich nur dunkel (ich war ja erst 20...) an dankbares "Gott sei Dank auf ewig vorbei, keine Schulterpolster mehr, keine Neonröhren, kein Plastikpop(!)". Cool waren die 80er erst wieder etwas später. Clever gerade aktuell interessanterweise bei komplett Nachgeborenen wie Little Boots oder eben auch La Roux. Also völlig Assoziationsfreien. Könnte also sein dass die 90er in ein paar Jahren ganz anders dastehen als gerade. Je nachdem was auch sonst so kommen könnte. Und je nachdem was die dann Anfangdreißiger (Meinungsmacherverdiener) so sagen.
Zuallerzweit: Den 90ern sämtliche Unstaubigkeit abzusprechen finde ich dann auch grundsätzlich ziemlich gewagt. Klar sind Kinderfotos (80er) niedlich und im Nachhinein süß anzuschauen. Aber danach (90er) ist einiges einfach erwachsen geworden. Rap z.B. oder auch Trance/House/Techno (um mal zwei Bereiche zu nennen die sich meiner Hörgewohnheit vollkommen entziehen). Und der Rock wurde nach Hause geholt. Man kann Nirvana ja im nachhinein langweilig und die Red Hot Chili Peppers kindisch finden aber immerhin wurde die Gitarre von der meilenweit vom Publikum entfernten Bühne wieder zurück in den Proberaum gebracht und durfte auch mal wieder eine ganz persönliche Ansprache halten. Und dann gab es ja auch z.B. noch Portishead. Wilco. Element Of Crime. Zumindest wurde wie vorher eben zitiert, verfremdet oder bewusst abgelehnt. Und eigenes hinzugefügt.
Schaun wir mal was bleibt...

P.S.
Die 80er zu loben & die Pet Shop Boys auszulassen halte ich für unangemessen...

 
At 18 August, 2009 14:51, Blogger MPC2000xl said...

Patrick, so ein langer Kommentar und dazu eine ganze Latte messerscharf festgestellter, guter Punkte... Das rechtfertigt doch schon fast einen eigenen Artikel in Deinem Blog... ;)

 
At 18 August, 2009 19:54, Blogger Patrick mit T. said...

Naja, die Länge ist ja auch dem schmalen Layout geschuldet. Und woanders wäre es ja auch aus dem Zusammenhang gerissen. Mir ist da auch noch ein Aspekt eingefallen (viel Zeit auf der Arbeit), nämlich der Gegenwartsbezug. Bei mehr Zeit als gerade kommt da noch was :)

 
At 23 August, 2009 18:18, Blogger Patrick mit T. said...

…und das folgt dann jetzt noch.

Zuallerdritt: Der Gegenwartsbezug.

80erklischees: Neonröhren, Technisierung, Heimcomputer, Individualisierung, Urbanisierung, Beton, Kälte, Koks, Generation X, Glasfassaden, Star Trek Next Generation, Keyboards, kalter Krieg, Zukunftsgläubigkeit.

90erklischees: Wiedervereinigung, Talkshows, Volksaktien, Internet, Tamagotchi, Jahr-2000-Crash, Kosovo, Akte X, Loveparade, Dot-Com-Blase-Platzen, Crossover (!), RTL Samstagnacht, Flexibilisierung, Lichterketten, Ruck-Rede.

Das muss sich doch einfach unterschiedlich spiegeln. Das Blade-Runner-Jahrzehnt ist ein anderes als das Jurassic-Park-Jahrzehnt. Der Golf ist erst eckig, dann rund. Die Kriegsgeneration was anderes als die 68'er. Und Westberlin was anderes als Ostberlin. Wenn gute Popmusik (und von Ausschuss sprechen wir ja gar nicht) auch reflektiert was um sie herum geschieht ergibt sich doch zwangsläufig im "Übergangsjahrzehnt" (90er) ganz anderes als im "Ablösungsjahrzehnt" (80er), oder? Dass da ersteres dem zweiten (abgesehen von persönlichen Liebhabreien) irgendwie nachsteht kann ich tatsächlich nicht sehen oder gar hören...

 

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